Inhaber, Ehepaar der Privatpraxis in Potsdam für Sexualmedizin, Sexualtherapie, Paartherapie, Eheberatung, Paarcoaching, Stressbewältigung und Bekämpfung gegen Flugangst: Dres. Ohletz & Horeth

Brief an eine Frau

Sehr geehrte Frau...
Sie sind mit Ihrer Geduld am Ende...

Sie können ihn einfach nicht mehr ertragen, nicht mehr dieses Leben aushalten, das so gar nicht Ihren innersten Wünschen und Bedürfnissen entspricht.
Sie sagten ihm im Verlauf der gemeinsamen Jahre nur selten, was Sie sich wünschten, was Sie anders machen wollten, und wenn Sie doch manchmal den Mut aufbrachten – wahrscheinlich viel zu leise, unbestimmt, nett.
 
War es Angst, ihm die Laune zu verderben, seine Aggressivität zu wecken, Bequemlichkeit? Und da ist der kleine Sohn. Für ihn wollen Sie eine glückliche Kindheit, dafür lohnt es sich, auszuharren… So haben Sie es in Ihrer eigenen Kindheit erlebt, Ihre Mutter hat bis heute ausgeharrt…
 
Nun ist das Fass voll, dieser Streit in der letzten Woche war der berühmte letzte Tropfen, der es zum Überlaufen brachte. Sie sprechen von Trennung, packen Ihren Koffer und wohnen wieder bei den Eltern – für eine Übergangszeit, bis die neue – die eigene - Wohnung gefunden ist.
 
Seine Reaktionen lösen bei Ihnen Zweifel aus an Ihrem Trennungsabsichten: Er verspricht, sich zu ändern, geht in die Therapie und nun- unter Schock- sieht er ganz klar, was er in der Beziehung versäumt und falsch gemacht hat. Er sagt: So viele Fehler, unglaublich, und sagt, dass er Sie und das Kind liebe und alles ändern will!
 
Sie schauen auf Ihre Anteile und sehen: Sie haben ihn unaufhaltsam in diese Richtung gehen lassen. Vielleicht haben Sie ihn nicht bremsen wollen, weil Sie ihn nicht von Herzen liebten? Oder weil Sie ängstlich und schüchtern sind und Konflikten lieber ausweichen als sich ihnen zu stellen? Dadurch hat er immer mehr Kraft und Macht gewonnen in Ihrer Beziehung, die für Sie nach und nach unerträglich wurde. 
 
Wie konnte es nur soweit kommen? Damals war er doch genau der Richtige – ein starker, männlicher Mann, der Sie aus Ihrer Familie „erlöste“.
Sie trauten ihm zu, dieses Haus mit Ihnen zu bauen, das Leben gemeinsam zu meistern. Und dann der Alltag. Jeden Tag am Haus bauen, wenig Zeit für Zärtlichkeit, Gespräche.
 
Sie entwickelten sich weiter. Beruflich lief es wunderbar. Anerkennung, freundliche Worte, kultiviertes Miteinander hier - und zu Hause eher Grobes, Einfaches. Der Teufelskreis von Festhalten wollen und sich verweigern begann unausgesprochen aber immer deutlicher für Sie spürbar. Er merkte nichts.
Ihre Entscheidung zu gehen kam für ihn völlig überraschend, unerwartet.
Er will in die Paartherapie. Überraschend für Sie.
 
Sie trauen seinen Worten nicht: Kann er sich, sein Verhalten völlig verändern? Sind Sie stark genug, mit ihm gemeinsam die jahrelang eingefahrenen Gleise Ihrer Partnerschaft zu verlassen? Nur wenn Sie ihm und sich das zutrauen, kann der notwendige Veränderungsprozess bewältigt werden. Aber die wichtigste Frage ist die Frage nach Ihrer Liebe zu ihm.
Ist diese Pflanze, die Wärme, Pflege und Geborgenheit braucht, vertrocknet oder gibt es noch ein wenig Leben in ihr?
Dann ist es höchste Zeit ....... zur Paartherapie zu gehen.
Ihre Angelika Horeth