Ihre Beziehung in der Krise
Sie sind verheiratet, haben zwei Kinder, leben mit Ihrer Frau in Ihrem neuen Haus. Die Finanzen sind etwas schwierig. Sie beide rackern sich ab, auch um Schulden abzubezahlen. Ihre Frau arbeitet im Schichtdienst, auch mal am Wochenende, wenn eigentlich Zeit für die Familie sein müsste. Sie als Paar sehen sich immer weniger, haben wenig Zeit füreinander, schreiben sich Briefe. Große Urlaube sind nicht drin. Sie beide sind klug und freundlich.
Der Sex ist nahezu eingeschlafen.
Sie, "junger Mann", haben eine andere Frau kennengelernt, wie auch immer, die nun wunderbarerweise “genau zu Ihnen passt”. Die neue Beziehung währt über drei Monate, immerhin und biete Perspektive. Ein gemeinsames Wochenende mit ihr bestärkt Sie in dem Glauben, Ihre bisherige Frau verlassen zu müssen.
Dass dies auch das Verlassen der Kinder bedeuten könnte, scheint noch nicht ganz angekommen. Ihre Frau hat Ihnen berichtet, die Kinder seien ganz verstört und hätten geweint.
Es gibt auch erfolgreiche, ältere Männer, die sich trotz äusserlich guter Ehe in eine neue, fast immer jüngere Frau verlieben. Wie es scheint: zufällig. Die irgendwann ehrlich werden und erwägen, ihr bisheriges Leben zu verlassen. Gründe gibt es. Eine Zweitfrau wäre kopulationsphysiologisch kein Problem. Jedoch der Blutdruck steigt in Explosionsnähe.
Und es gibt Frauen, im Beruf sehr klug, die sich in den Chef verlieben, nach Entdeckung der Affaire gern so weiter machen könnten und dem "Hauptmann", der nun zum Nebenmann geworden ist, ein Doppelleben vorschlagen.
Szenenwechsel:
Wir lesen, dass VW-Chef Piech zwölf Kinder von vier Frauen hat; die letzte, 19 Jahre jünger, war im Haushalt als Kindermädchen eingestellt worden. Und ich meine gelesen zu haben, dass auch Springer sein Kindermädchen geheiratet habe.
Offensichtlich befördert Reichtum ein Verhalten, das wie zum Partnerwechsel tendierend anmutet, Trennungen erleichtert, durch edles Ambiente sogar geadelt und chic daherkommt und uns in Zeitungsartikeln, die wie Werbung für dieses Verhalten aussehen, anlächelt , die uns zu sagen scheinen:
Der Spagat zwischen Gesellschaft, Biologie (sind wir Überaffen?) und Ethik (was ist “böse” oder “gut”) gehört zu den Aufgaben, an denen wir Männer und Frauen, – in je unserem Lebenslauf – , sowohl zu scheitern fürchten, als auch zu wachsen hoffen.
Hier bei uns läuft der Staatsbetrieb einfach besser, wenn alle so tun, als wären wir auf ewig fest gebunden und blieben immer Paare, die sich für Kinder, Wenigerverdienende und Absicherung abrackern.
Paartherapeuten können als Gesellschaftsärzte zwecks Verringerung der Scheidungsrate angesehen werden, – wenn nicht
das Leiden der Kinder uns lehrte, dass eine Paarbeziehung, eine Familie doch etwas Anderes ist als eine Selbstverwirklichungs-Gemeinschaft.
Wir müssen deshalb das Maß des gesamten Leidens aller Getroffener betrachten, welches für eine Entscheidung, die Beziehung retten zu wollen, ein Gewicht hat.
Ich schreibe Ihnen deshalb, sehr geehrter Herr, hiermit diesen persönlichen Brief.
(Möglicherweise passt er auch auf Frauen und andere Beziehungen)
Falls Sie versuchen, in der "alten" Beziehung zu beiben
Die gemeinsamen Projekte der bisherigen Familie
sind „altmodisch“ und bekannt: Kinder in der Schule begleiten, Kinder in ihrer Entwicklung fördern und dazu beitragen, daß sie sich zuversichtlich auf ihr Leben – als ein wahrscheinlich Schönes – freuen können mit den Eltern als Vorbildern. Kinder brauchen Papa und Mama gleichermaßen.
Für das „alte Paar“ gilt es nun von der Seite des Mannes,
die „Mama“ der Kinder wieder als Ihre Frau zu erkennen, in ihren weiblichen Eigenschaften, ihrer anderen Sicht der Welt, ausgleichend, bewahrend, die Sie Mann erotisch anspricht, in sich aufnimmt, Anerkennung Ihrer Männlichkeit gibt und damit Stolz, der in Ihr Alltagsleben reicht.
Sie dürfen sich in einer altmodischen Familie fallen lassen, müssen nicht dauernd den neuen Powermann geben. Als "altes Paar" können Sie hoffen, auch in Notlagen füreinander einzustehen und nicht nur bei sommerlichen Champagner-Ausflügen.
Eine Fantasie zu Ihrer Wiederaufbau-Arbeit
Ein Paar-sein und ein Paar bleiben ist wie……
Ihnen fallen sicher auch Vergleiche aus Ihrem Lebensbereich ein?...
ist wie……ein Kunstwerk.
Stellen wir uns einen künstlerischen Garten wie Sanssouci vor, gehen wir im Morgendunst in den Park, was sehen wir?
Gärtner knien auf der Erde, arbeiten sich durch Dickicht, beschneiden die Weinreben; Gärtnerinnen buddeln Pflanzen ein, die bald blühen, bekommen schmutzige Finger, stehen mit Gummistiefeln im Dreck. Es regnet. Gehen Sie beide mal sehr früh morgens in den Park.
Wir haben diese Gärtner bei der Arbeit lächeln gesehen. Das wird Ihnen hoffentlich auch gelingen, und zwar, weil sich diese Ihre “Gärtnerarbeit” wirklich lohnen kann.
Nehmen Sie dieses “Sanssouci”, in seinen Aspekten, inklusive dem der Kreation von Schönheit in harter Arbeit, in hellen und dunklen Jahreszeiten, mit kaputten und funktionierenden Brunnen, mit offenen und einpackten Figuren,dreckigen und goldenen Tempeln,
als Sinnbild einer Beziehung.
Vielleicht Ihrer Beziehung.
Wenn wir Verliebtheitszustände mit Anderen erleben
auch solche, die uns einen Ausstieg aus einer nicht glücklichen Beziehung verheissen, – verhalten wir uns mehr wie Kinder als Erwachsene, – das ist nun mal so. Dann müssen wir die Luft anhalten, uns fragen „Ist es wirklich unerträglich?“ Und Hilfe holen. Zur Entscheidungsfindung.
Wenn nichts mehr geht in der alten Beziehung?
Es gibt Beziehungen, bei denen die Gemeinsamkeit in vielen Jahren derart verdorrt ist oder so elementar gelitten hat, dass jedes gießen und düngen nichts mehr bringt, – wir uns nur noch verletzen an den vertrockneten Zweigen, nichts mehr empfinden für das Verblühte, keine Zukunft finden wie in einer Wüste. Wenn wir das Wort „Unerträglich“ mit unserer Beziehung assoziieren können, oder “tot”, müssen wir uns retten, als Erwachsene handeln. Koffer packen, ins Auto bringen, Dokumente mitnehmen. Wegfahren. Vorwürfe über den Trennungsablauf werden sowieso kommen, egal wie Sie es anstellen. Bringen Sie sich - zu sich selbst.
Lassen Sie Ruhe einkehren. Wieder Luft bekommen.
Begegnungen mit dem alten Umfeld vermeiden, um Dramen aus dem Weg zu gehen. Freunde aufsuchen. Ausdauersport. Abschalten. Es wird Ihnen ein Licht aufgehen
.
Es gibt Zukunft! Nicht irgendeine, sondern wahrscheinlich Ihre gute!
Paartherapie ist übrigens parteiisch. Für die Kinder.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ihr Christoph Ohletz-Horeth
- 1. Was bleibt für die "Geliebte", also die verlassene „Neue Frau“?
- 2. Praktisches Vorgehen zur Selbst-Abschirmung
1. Was bleibt für die "Geliebte", also die "schon wieder" verlassene „Neue Frau“?
Sie wird, falls Sie doch bei Ihrer Familie bleiben möchten, gekränkt sein, in ihren Hoffnungen enttäuscht, zwischen aggressiv und eifersüchtig gegenüber den starken alten Bindungen an Ihre Frau und die Kinder. Und vielleicht liebevoll gestimmt zu ihrem Kandidaten für ihr „neues Leben“, der zu einer Paartherapie geht und sie also schon wieder zu verlassen droht. Sie akzeptiert das wahrscheinlich ebenso wenig wie die vom verlassen-werden bedrohte Ehefrau Ihre Aussenbeziehung tolerieren kann. Und hofft wahrscheinlich, den „Neuen Mann“ doch wieder zurückgewinnen zu können.
Dieses heimliche dazwischen-funken läßt Ihrem Kopf keine Ruhe, keine Klarheit aufkommen (Hinweise dazu s.unten): Absichtlich werden Wunden aufgerissen, Ihre Sehnsüchte aktiviert, die Partnerin in Panik versetzt (auf dass sie gehe).
Sie könnten Ihrer Frau-Anwärterin Aussicht auf materiele Sicherung bieten, und sie Ihnen vielleicht Wohlstand; vielleicht erfüllt sie erotische Fantasien; jedenfalls ist sie mit Sicherheit “anders”. Auf Latein: “variatio delectat”: Abwechslung macht Spass...
Sie kennt die Stellen Ihrer Empfindlichkeit, die wirkungsvollen Formulierungen (Mitleid, Sehnsucht) und Handlungen (SMS, Anrufe, Besuche), die Sie wieder „schwach“ werden lassen könnten. Sie wird dieses Wissen einsetzen. Sagen wir einfach entschuldigend, dies sei der “Egoismus der Gene”…
Und er muß, wenn er versuchen will, seine Familie zu bewahren, sich unbedingt davor abschotten (s.u.). Auch vor sich selbst! Denn große Gehirnteile sind noch liebestrunken und wollen gefüttert werden.
2. Die Paartherapie und Ihre Vorsätze werden wahrscheinlich unterlaufen. Wie kann Mann / Frau sich davor schützen:
Diskrete Kanäle, die immer wieder Versuchungen transportieren können und erfahrungsgemäß benutzt werden: verschliessen:
Am "schlimmsten" das Handy: ersetzen durch ein anderes, z.B. Prepaid. Altes Handy an Freunde zur Aufbewahrung weggeben. Geschäftspartner ertragen eine vorübergehend neue Nummer („altes Handy in Reparatur“).
Post durch Andere leeren lassen, je nach Absender nicht beachten, zurücksenden lassen unter “unbekannt verzogen“.
Möglichst viel bei der Familie, den Kindern sein und was unternehmen (Zoo, Kino, Kindertheater, Ausflug).
Den grossen Wert der kleinen Dinge, der Freude der Kinder, deren Zuversicht bemerken, als Kostbarkeit registrieren.
Positiv denken. Pläne schmieden.
Ihre Frau mit dem verschönernden Blick aus der alten Zeit des Kennenlernens betrachten, die Wunder ihres Körpers, ihrer Fähigkeit, schöne Empfindungen zu haben, ansehen, wieder erleben, und dafür dankbar sein.
In Urlaub verreisen.
Soviel Liebe wie möglich, Experimente machen, Fantasien gemeinsam verwirklichen.
Eine Abschieds-Fantasie für die „Geliebte“ als Film speichern und immer wieder abrufen dazu ein Abschieds-Motto wie ein Mantra denken: „Du bist ….. meiner Kinder, Du bist ……., Du wirst ein neues Leben bald auch ohne mich geniessen….“
